Rohdetherm

Anlassen

Nach DIN 17014:
Erwärmen nach vorausgegangenem Härten, Kaltverformen oder Schweißen auf eine Temperatur zwischen Raumtemperatur und unterem Umwandlungspunkt Ac1 und Halten bei dieser Temperatur mit nachfolgendem, zweckentsprechendem Abkühlen.

Nach dem Härten liegt ein stark verspanntes Gitter vor. Diese Tatsache bringt die Härte des Stahles. Wird Martensit nun erwärmt, erreichen die in Zwangslösung gehaltenen Kohlenstoffatome wieder eine gewisse Beweglichkeit. Ein Teil kann sich ausscheiden und beginnt feinverteilte Karbide zu bilden. Ab etwa 100°C bildet sich zuerst Fe2C, das sogenannte ε-Karbid.

Die Verspannung des Gitters wird etwas geringer, die Härte nimmt ab. Über 250°C geht das ε-Karbid langsam in Fe3C-Zementit über und mit steigender Temperatur koagulieren die Fe3C-Ausscheidungen. Die Härte sinkt, die Zähigkeit steigt an. Zudem verändert sich bei unlegierten und niedriglegierten Stählen ab etwa 230°C der Restaustenit, welcher bei Wiederabkühlung zu Martensit umgewandelt wird.

Bei hochlegierten Stählen (Kalt-, Warm- und Schnellarbeitsstahl) zerfällt der Restaustenit erst oberhalb 500°C. Bei solchen Stählen kann durch Anlassen bei geeigneter Temperatur eine Härtesteigerung erreicht werden.

Normalerweise bringt das Anlassen ein Absinken der Härte und eine Steigerung der Zähigkeit. Es sind aber zwei Temperaturbereiche bekannt, bei denen auch die Zähigkeit abfällt. Die Blauversprödung im Bereich von ca. 250 bis 300°C und bei chrom-, nickel- und manganlegierten Stählen mit einer Anlassversprödung zwischen 450 und 550°C. Durch Zugabe von Molybdän und Absenken des Phosphorgehaltes unter 0,01% kann die Anlasssprödigkeit gemildert oder sogar unterdrückt werden. Bei Anlassvorgängen spielt nicht nur die Temperatur eine wichtige Rolle, sondern auch die Zeit. Es muss eine minimale Haltedauer eingehalten werden. In den meisten Anlassdiagrammen ist deshalb immer die Anlassdauer als Parameter aufgeführt.

Durch Anlassen bewirkte Eigenschaftsänderungen:

  • Änderung der Härte und Festigkeit
  • Zunahme des Formänderungsvermögens
  • Abnahme der Eigenspannungen
  • Abnahme der Rissgefahr
  • Abnahme der Restaustenitmenge
  • Änderung der Masse und evtl. der Form